IPA Aktuell 03/2020

IPA Aktuell 03/2020

Prominenter Auftakt der „Kamingespräche“ des IPA
Aktuelle Situation von sexualisierter Gewalt in Kirche und Gesellschaft

Zur gestrigen Premiere der „Kamingespräche“ des IPA stellte sich der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig der Diskussion über die aktuelle Situation beim Thema „Sexualisierte Gewalt“ mit Fachleuten aus Kirche und Gesellschaft.

Rörig ging gleich zu Beginn auf die frisch unterzeichnete „Gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland“ zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und dem Unabhängigem Beauftragten ein. Unter anderem legt diese Erklärung fest, dass die (Erz-)Diözesen unabhängige Aufarbeitungskommissionen einrichten müssen. Rörig begrüßte die Unterzeichnung und geht davon aus, dass noch im Verlauf dieses Jahres die notwendigen Weichenstellungen in den Diözesen getroffen werden, damit die Kommissionen in den einzelnen Diözesen ihre Arbeit aufnehmen können. Noch sei nicht bekannt, ob alle Bischöfe diese Vereinbarung unverändert umsetzen oder im Einzelnen im Sinne einer so genannten Äquivalenzerklärung modifizieren würden. Darüber hinaus sieht Rörig die Erklärung als gute Blaupause für andere gesellschaftliche Gruppen.

Im Hinblick auf die Fälle sexualisierten Missbrauchs außerhalb der Kirchen forderte Rörig von den Bundesländern erneut die Einsetzung von „Unabhängigen Landesmissbrauchsbeauftragten.“ „Ohne Prävention, ohne Aufklärung und ohne Sensibilisierung werden wir den sexuellen Kindesmissbrauch in der Gesellschaft nicht eindämmen können.“ Hierfür brauche es Menschen, die sich auch auf Landesebene für das Thema engagieren und innerhalb der Länder wirken.

Bezogen auf die schweren Fälle von Lügde und Münster warf Rörig die Frage auf: “Warum kommen wir nur weiter, wenn es Skandale gibt? Wie konnten diese Fälle solange unerkannt bleiben?“ Rörig sieht hier neben den Behörden das soziale Umfeld, insbesondere die Schulen, in der Verantwortung. Hier brauche es Menschen, die sensibel sind für das Thema, die darin geschult sind, Signale von missbrauchten Kindern zu erkennen, damit betroffene Kinder frühzeitig gesehen und gehört werden und Hilfe finden. Unabhängig von Konfession und Trägerschaft müssten Schulen „SCHUTZORT NR.1“ für Kinder und Jugendliche sein.

Das erste Kamingespräch des IPA fand aufgrund der Corona-Situation im Bundesfamilienministerium statt, wurde virtuell übertragen und von der Hauptstadtkorrespondentin der Katholischen Nachrichtenagentur, Frau Birgit Wilke, moderiert.

Mit der Reihe „Kamingespräche“ möchte das IPA regelmäßig Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen und gesellschaftlichen Gruppierungen miteinander in einen fachlichen Austausch bringen.

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